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Allgemeines

Die Netzhaut kleidet den Augapfel im Inneren aus und wird als Retina bezeichnet. Hier befinden sich die lichtempfindlichen Zellen, welche das Licht wahrnehmen und dieses in elektrische Impulse umwandeln und über den Sehnerv weiter in das Gehirn leiten,

Bei einer Netzhautablösung kommt es zu einer Abhebung der Netzhaut (Retina) von der Aderhaut (retinales Pigmentepithel) und dadurch durch eine Unterversorgung der lichtempfindlichen Sehzellen mit Sauerstoff und Nährstoffen. Werden die Sinneszellen der Netzhaut unzureichend oder nicht mehr versorgt, sterben diese innerhalb kurzer Zeit ab.

Netzhaut und Pigmentepithel sind nicht fest mit einander verwachsen, sondern haften durch physikalische Kräfte aneinander, den hydrostatischen Druck aus dem Glaskörper und durch physikalisch- chemische Anziehungskräfte zwischen den beiden Schichten.

Sobald die Netzhaut vom Pigmentepithel abgelöst ist, kommt es durch die Unterversorgung zur Degeneration der Netzhaut, und die Lichtwahrnehmung erlischt an dieser Stelle. Patienten nehmen die als Gesichtsfeldausfall, auch bekannt als dunkle Wand oder Schatten. Wahrgenommen wird der Gesichtsfeldausfall vom Patienten gegenüber der Stelle der Netzhautablösung.

Ist die Makula, der Punkt des schärfsten Sehens, betroffen, kommt es zu einem raschen Visusabfall.

Löst sich die gesamte Netzhaut ab, führt dies unweigerlich zur Erblindung des Auges.

Alternative Heilmethoden gibt es nicht, eine Operation ist unumgänglich um das Auge zu retten.

Das derzeitige Risiko einer Netzhautablösung liegt bei 1:10.000, Faktoren wie Myopie (Kurzsichtigkeit), eine vorangegangene Katarakt- Operation oder eine Netzhautablösung am Partnerauge erhöhen das Risiko.

Es gibt allerdings auch die Aussage, dass sich das Risiko auf 1:300 erhöht hat, dies erwähnte Professor Rehak, der Referent beim Seminar 2017 in Erfurt. Logisch und erklärbar wäre diese erschreckende Zahl durch die extreme Zunahme an kurzsichtigen Menschen. Bis 2050 wird von einer Verdoppelung der Zahl der Kurzsichtigen gesprochen. Derzeit sind hier zu Lande 1 von 3 Jugendlichen kurzsichtig, in China schon 4 von 5 Jugendlichen. Es steht also die Befürchtung von einer hohen Zunahme der Netzhautpatienten dank ständiger Handy- und Tabletnutzung.

Die einzigen Quellen im Internet zur Zahl 1:300 habe ich nur hier gefunden:

http://www.badische-zeitung.de/gesundheit-ernaehrung/bei-einer-netzhautabloesung-tut-schnelles-handeln-not--112451147.html

https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.netzhautabloesung-ploetzlich-vernebelt-sich-die-sicht.b044373c-f54d-465b-b02e-fa7614357667.html

Bei 10 bis 20 Prozent kann sich eine Re- Amotio, eine erneute Netzhautablösung, entwickeln. Oft ist eine PVR dafür der Auslöser. Der Zeitraum liegt meist in den ersten 3 Monaten nach der OP, bei Gastamponaden nach dem Verschwinden des Gases. Allerdings kann sich auch nach Monaten oder Jahren eine erneute Netzhautablösung zeigen.

Netzhautablösung

Voranzeichen

  • Lichtblitze, diese entstehen durch den Zug des Glaskörpers an der Netzhaut
  • Rußflocken oder aufsteigender Rauch im Auge, verursacht durch Netzhautblutungen
  • Skotom (Gesichtsfeldausfall), der Patient nimmt einen Schatten oder dunkle Wolke im Gesichtsfeld war – dies ist kein Voranzeichen, sondern weist auf eine akute Netzhautablösung hin!

Eine Netzhautablösung kann auch ohne die angegebenen Symptome abspielen, vor allem bei kleinen peripheren Netzhautdefekten.

Beim Auftauchen dieser Symptome sollte man sofort einen Augenarzt aufsuchen, da nur eine rechtzeitig erkannte Netzhautablösung die Möglichkeit bietet, nach einer Operation einen Großteil seines Augenlichtes zu behalten

Ursachen und Arten der Netzhautablösung

  1. Rhegmatogene Netzhautablösung

Die rhegmatogene Netzhautablösung ist die häufigste Form. Die Ursache ist in den meisten Fällen eine akute hintere Glaskörperabhebung.

Hintere Glasköperabhebung und die vitreoretinale Grenzschicht – Grundlagen zum Verständnis

Obwohl es sich nicht um eine Netzhauterkrankung im engeren Sinne handelt, möchte ich zur besseren Verständlichkeit der gesamten Problematik auf dieses Thema gesondert eingehen.

Der Glaskörper ist eine gelartige Substanz die den Großteil des Augapfels ausfüllt, also den Raum von der Augenlinse bis zur Netzhaut, der innersten Schicht der Augapfelwand.

Der Glaskörper ist von einer sehr dünnen Membran, der Glaskörpergrenzmembran, umgeben. Im gesamten Bereich gibt es mehr oder weniger feste Anheftungen zwischen Glaskörper und Netzhaut. Feste Anheftungen bestehen im Makulabereich, am Sehnerv, an den Netzhautgefäßen und der äußersten Netzhautperipherie.

Als vitreoretinale Grenzschicht bezeichnet man also Verbindung zwischen der Glaskörpergrenzmembran und der Netzhaut.

In dieser Grenzschicht können sich krankhafte Veränderungen abspielen, typische Folgen sind die epiretinale Gliose und das Makulaforamen.

Der Glaskörper besteht zu 98 % aus Wasser, zu 2 % aus Eiweißbestandteilen mit einem dünnen Fasergerüst. Im Laufe der Zeit entmischen sich Wasser und Eiweißbestandteile, es kommt zu einer Schrumpfung des Glaskörpers. Die sonst feinen und gleichmäßigen Fasern mit ihren Eiweißbestandteilen trennen sich vom Wasser und ballen sich, vorher durchsichtig, zu lichtdichten Strukturen zusammen.

Diese nehmen wir als sogenannte „Mouches volantes“ wahr, fliegende Mücken, verästelte schwebende Strukturen im Auge, Glaskörpertrübungen oder Floater genannt.

Es handelt sich um einen vollkommen normalen Prozess, der bei jedem Menschen im Laufe des Lebens auftritt, meist ab einem Alter von 50 Jahren, bei Kurzsichtigen bedingt durch den zu langen Augapfel und die dadurch stark gedehnte Netzhaut auch schon wesentlich früher. Auch nach Katarakt- Operation und Verletzungen des Auges kann dieser Prozess schon früher einsetzen.

Viele Menschen bemerken diesen Vorgang gar nicht, allerdings kann es auch zu problematischen Verläufen, sprich einer Netzhautablösung kommen.

Durch die Anhaftungen des Glaskörpers kann es zu einem Zug auf die Netzhaut so wie die Gefäße kommen. Folge sind Einblutungen (zu sehen als Russregen) in den Glaskörper durch eingerissene Gefäße sowie Netzhautlöcher oder Risse. Hier spricht man von der rhegmatogenen Netzhautablösung, welche die häufigste Form der Netzhautablösung darstellt. Diese Netzhautdefekte findet man meist im oberen Bereich, da der Glaskörper durch die Schwerkraft absinkt.

  1. Traktionsbedingte Netzhautablösung

Diese Form der Netzhautablösung entsteht durch Zugkräfte von Bindegewebssträngen im Augeninneren. Ursache hierfür sind Erkrankungen, bei denen sich krankhaftes Bindegewebe im Auge entwickelt, wie zum Beispiel Frühgeborenenretinopathie, Diabetische Retinopathie, Netzhautvenenverschlüsse oder vorhergegangene Augenoperationen.

Eine Kombination der beiden oben genannten Formen ist möglich.

  1. Exsudative Netzhautablösung

Diese Form entsteht, wenn Flüssigkeit aus den Gefäßen der Aderhaut zwischen Netzhaut und Aderhaut dringt. Die Ursache liegt hier bei Entzündungsprozessen oder Tumoren der Aderhaut.

Netzhautspaltung (Retinoschisis)

Eine Retinoschisis ist eine Spaltung der neurosensorischen Netzhaut.

Diese Spaltung kann sowohl die inneren oder äußeren Schichten betreffen und kann in jedem Alter auftreten. Eine Schisis wird im Normalfall nicht behandelt, sondern beobachtet.

Es ist möglich, dass sich aus der Retinoschisis eine Schisisablatio bzw. Ablatio Retinae bildet, in diesem Fall ist eine Operation unumgänglich.

X- chromosomale juvenile Retinoschisis

Eine Sonderform der Schisis ist die X-chromosomale juvenile Retinoschisis, diese ist genetisch bedingt und betrifft fast ausschließlich nur das männliche Geschlecht.

Diese zeigt sich oft schon im Kleinkind- oder Schulalter.

Erworbene Retinoschisis

Diese Form wird auch senile oder degenerative Retinoschisis genannt. Sie tritt bei beiden  Geschlechtern auf und findet sich meist im unteren Quartanten . Vermutet wird hier als Ursache ein Zusammenfließen von zystoiden Räumen. Bei 60 % der Patienten sind beide Augen betroffen, oft ist die Diagnose nur ein Zufallsbefund. Es gibt eine flache sowie eine bulböse Form-

Diese Schisis lässt sich noch in die typische und retikuläre Form unterscheiden. Es ist möglich, dass Foramen entstehen und dadurch eine Schisisablatio bzw. eine Ablatio retinae.

Dies tritt aber nur bei 0,05 % der Patienten auf, eine Operation ist dann unumgänglich. Weiterhin ist es möglich, dass die Schisis sich ausbreitet, dies geschieht aber nur bei 2% der Patienten.

Makuläre Retinoschisis

Ursachen für diese Form sind hohe Kurzsichtigkeit (höher -6 Dioptrien) sowohl das gleichzeitige Vorliegen eines posterioren Staphyloms. In seltenen Fällen kann es zu einem Makulaforamen oder einer Ablösung der Netzhaut im Makulabereich kommen.

Eine weitere seltene Form ist das Auftreten einer Retinoschisis bei Vorliegen einer Grubenpapille. Weiterhin ist ein auftreten bei vorhandener diabetischer Retinopathie möglich.

 

Quelle: Retinoschisis: Formen, Manifestation, Therapiemöglichkeiten

Agnes B. Renner, Horst Helbig

https://www.kaden-verlag.de/fileadmin/images/ZPA_direkt/CME_ZPA_10-09.pdf